Chrom (essentielles Spurenelement)

Bereits 1929 war die insulinaktivierende Wirkung durch chromreichen Hefepresssaft bekannt. 1975 konnten erstmals Chrom-Mangelerscheinungen nachgewiesen und durch gezielte Chromzufuhr wieder behoben werden. Studien der achtziger Jahre zeigten, dass Chrom im Glukosetoleranzfaktor (GTF) eine bedeutende Rolle spielt. Zahlreiche Autoren vertreten die These, der Typ-2-Diabetes sei überwiegend eine Folge langfristiger Unterversorgung mit Chrom. Die auftretende reduzierte Insulinsensitivität führt zu einer überhöhten Insulinproduktion und langfristig zu einer Schädigung der insulinproduzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse.

Interessanterweise führen Störungen des Chromstoffwechsels auch zu Störungen des Lipidstoffwechsels (HDL-LDL-Quotient), so­dass wichtige Parameter des metabolischen Syndroms mit Chrom direkt beeinflusst wer­den können.

GTF, Kohlenhydratstoffwechsel:
Die bis heute wichtigste bekannte Funktion von Chrom besteht in der Interaktivität mit dem Glukosetoleranzfaktor (GTF). GTF besteht nach dem heutigen Wissen aus Nikotinsäure sowie aus z.T. schwefelhaltigen Aminosäuren (Cystein, Glycin, Glutamin). Der gesunde Mensch dürfte den GTF im Organismus selbst bilden können. Viele Diabetiker und evtl. Prädiabetiker sind jedoch dazu nicht mehr in der Lage (auch bei genügendem Chromangebot). Die Mechanismen der Potenzierung der Insulinwirkung durch Chrom sind nicht im Detail bekannt. Chrom scheint jedoch die Bindungsreaktion von Insulin und seinem spezifischen Rezeptor zu katalysieren. Bei Glukose-Intoleranz steigert eine Chrom- oder GTF-Zufuhr die Aufnahme von Glukose in die Zellen. Chrom/ GTF ist nicht nur bei einer Hyperglykämie (erhöhte Blutzuckerspiegel), sondern auch bei einer Hypoglykämie (erniedrigte Blutzuckerwerte) wirksam.

Lipidstoffwechsel:
Chrom scheint den Gesamt-Cholesterol-Gehalt sowie den Triglyceridspiegel zu senken, der HDL-Anteil wird erhöht.

Proteinstoffwechsel:
Chrom ermöglicht den Einbau der Aminosäuren Glycin, Serin, Methionin und a-Aminobuttersäure ins Herzgewebe.

Zellteilung: Chrom steigert dosisabhängig die Bildung der Ribonukleinsäure, während DNA- und Proteinsynthese kaum beeinflusst werden.

Altersprozess:
Mit zunehmendem Alter wird anorganisches Chrom schlechter verwertet und in geringerem Maße für den Aufbau des GTF verwendet.

Stress, Infektionen, intensiver Sport:
Stress, Infekte und Sport führen zu einer erhöhten Chromausscheidung via Urin. Während Stress-Situationen wird mehr Cortison freigesetzt, was wiederum den Glukoseverbrauch und parallel dazu die Insulin- und Chrom-Mobilisierung anregt. Wird Chrom mobilisiert, wird es nicht wieder rückresorbiert, sondern geht mit dem Urin verloren. Lang anhaltender Stress führt zu Insulinresistenz, Chrommangel und Glukose-Intoleranz.

Zufuhrmangel:
Die industrielle Verarbeitung von Nahrungsmitteln mindert den Chromge­halt. So enthält weißer Kristallzucker weniger als 10% der Chromkonzentration der Melasse. Ähnliches gilt für Getreideprodukte: Ganzer Weizen enthält über zehnmal mehr Chrom als Weißbrot. Ein hoher Anteil an raffinierten Kohlenhydraten in der Nahrung, ein hoher Fettkonsum und Eiweißüberladung können u.a. zu Chrommängeln führen.

  • gestörte Glukosetoleranz (erhöhter Blutzucker nach dem Essen), verminderte Insulinwirkung, Diabetes mellitus Typ 2
  • Hypoglykämie und deren Symptome: Energielosigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen
  • erhöhte Cholesterin- und Triglyceridwerte im Blut
  • Nervenstörungen (Neuropathie)

Die Bioverfügbarkeit von Chrom aus der Nahrung sowie auch aus vielen Nährstoffsupplementen ist bescheiden. Sie beträgt in Abhängigkeit von der zugeführten Menge zwischen 0,4 und 2%. Insbesondere anorganische Chromverbindungen (z.B. Chromchlorid) sind schlecht verwertbar. Wird Chrom in organischer Form (GTF, Picolinat usw.) zugeführt, kann mit einer Aufnahmerate von etwa 10-20% gerechnet werden. Die Chromverwertung bei gleichzeitiger Gabe von Vitamin C kann deutlich verbessert werden. Verschiedenen Untersuchungen zufolge beträgt die durchschnittliche tägliche Chromaufnahme 25-40 pg. Man schätzt den Minimalbedarf an Chrom gemäß bisher vorliegenden Erkenntnissen auf etwa 50 pg/ Tag. Aufgrund dieser Zahlen lässt sich leicht erklären, warum in Blut- und Haaranalysen niedrige Chromwerte mit zu den häufigsten Konstellationen zählen.

Adipositas:
Zur Gewichtsreduktion ist eine Änderung des Lebensstils und der Ernäh­rung notwendig; eine Chromsupplemetie-rung kann hilfreich sein, um Heißhungerat­tacken zu vermindern. Lust auf Süßigkeiten bei »Frustessern« wird durch Chromgaben (600 pg/Tag, 2 Monate) reduziert.

Diabetes mellitus:
Diabetiker sind oft nicht mehr in der Lage, aus Chromverbindungen den Glukosetoleranzfaktor (GTF) zu synthe­tisieren. Nur die direkte Verabreichung des »fertigen« GTF (z.B. in Primärhefe oder aus Hefe isoliert) begünstigt den Nüchternblutzu­cker, die Glukosetoleranz und die Insulinwir­kung. Die Supplementierung mit Chrom kann auch Herzrhythmusstörungen von Diabeti­kern verbessern.

Regulierung der Glukosetoleranz:
Perso­nen mit einer gestörten Glukosetoleranz mit den entsprechenden Symptomen (sie­he S.438 Hypoglykämie) reagieren auf eine Chrom- oder GTF-Supplementierung mit ei­ner Verbesserung der Glukoseaufnahme der insulinabhängigen Gewebe sowie der Gluko­setoleranz. Hyperglykämie und auch hypo-glykämische Schwankungen können norma­lisiert werden.

Mit Chromgaben im Bereich von 500 pg/Tag (während 10 Monaten) konnten der Nüch­ternzucker, der postprandiale Glukosespiegel, Müdigkeit, Durst und Häufigkeit des Was­serlassens bei Typ-2-Diabetikern signifikant verbessert werden. Chrom verbessert auch die Glukosetoleranz bei Patientinnen mit po­lyzystischem Ovarialsyndrom.

Regulierung des Lipidstoffwechsels, Arteriosklerose:
Chrom senkt den Gesamtcholesterinspiegel und erhöht das gesunde HDL-Cholesterin. Herzinfarkt- und Angina-pectoris-Patienten haben im Durchschnitt etwa 5- bis 8-mal niedrigere Blutchromwerte als Patienten ohne erkennbare arteriosklero­tische Erscheinungen. Als positive Nebenwir­kung einer reichen Chromzufuhr kann eine markante Abnahme des Körperfettes zuguns­ten eines Zuwachses an Muskelmasse festge­stellt werden. Chrom reduziert die Bildung von Glykosylierungsprodukten, dies sind Mo­leküle die zur Arteriosklerose beitragen.

Schwangerschaft:
Während der Schwanger­schaft besteht ein deutlich erhöhter Chrom­bedarf. Der Fötus reichert Chrom via pla­zentaren Transport in seinem Gewebe an. Latente Chrommängel während und nach einer Schwangerschaft sowie das damit ver­bundene Auftreten einer Glukose-Intoleranz und erhöhter Nüchternblut-Konzentrationen sind recht häufig.

Sport, Leistungsfähigkeit:
Die Chromverluste nach sportlichen Leistungen können mehr als das Doppelte betragen. Ein ausgeglichener Chromhaushalt schützt den Leistungssportler vor einem raschen Abfall der Glykogenvor-räte im Muskel während des Trainings oder des Wettkampfes, sodass dem Chrom ein indirekter Einfluss auf die körperliche Leis­tungsfähigkeit zugeschrieben werden kann. Hypoglykämische Zustände wirken sich beim Sportler nicht nur negativ auf die Ausdauer und den Energiestoffwechsel aus. Eine man­gelhafte Glukoseversorgung des Gehirns ist auch im Hinblick auf eine optimale Konzent­ration und mentale Leistungsbereitschaft unerwünscht.

Nebst beruflichen Expositionen (metallver­arbeitende Industrie, Ledergerberei, Tief­ätzdruck, Farbpigmente, Zahnzement usw.) kommen als Gründe für Chrombelastungen auch metallische Implantate wie Hüftge­lenkprothesen infrage. Sechswertige Chrom­verbindungen (z. B. Bleichromat), die in der Medizin keine Verwendung finden, gelten als krebserregend. Es wurde festgestellt, dass dreiwertiges Chrom, das in physiologischen Dosierungen als unproblematisch gilt, in ext­rem hohen Dosierungen zu einer Aggregation der DNA führen kann. Monatelange Chromga­ben von 1000 pg/Tag bei Diabetikern wurden bei gutem therapeutischem Erfolg ohne Ne­benwirkungen vertragen.

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